Das Nervensystem: Sicherheit ist kein Gedanke, sondern ein Zustand
Um begleitende Angst wirklich zu verstehen, reicht es nicht, nur über Gedanken zu sprechen. Entscheidend ist das Nervensystem – jenes autonome Regulationssystem, das unbewusst steuert, wie sicher oder bedroht wir uns fühlen.
Unser Nervensystem unterscheidet nicht zwischen „objektiv gefährlich“ und „subjektiv bedrohlich“. Es reagiert auf Wahrnehmung, Bewertung und Erfahrung. Wenn es über längere Zeit gelernt hat, dass hohe Wachsamkeit notwendig ist – etwa durch Dauerstress, innere Antreiber, ungelöste Konflikte oder das permanente Gefühl, funktionieren zu müssen –, stellt es sich entsprechend ein. Der Körper bleibt in erhöhter Aktivierung.
Diese Aktivierung zeigt sich nicht zwingend spektakulär, sondern oft als dauerhaft erhöhter Muskeltonus, als flacherer Atem, als erhöhte Reizempfindlichkeit, als schnellerer Puls oder als Schwierigkeiten, wirklich abzuschalten. Selbst in Momenten äußerer Ruhe bleibt das System innerlich „auf Empfang“.
Begleitende Angst ist daher weniger ein Zeichen von Schwäche als vielmehr ein Hinweis darauf, dass das Nervensystem lange versucht hat, Sicherheit durch Wachsamkeit herzustellen. Das Problem ist nicht die Schutzreaktion an sich, sondern ihre Dauer.
Je länger ein Nervensystem in erhöhter Aktivierung verbleibt, desto sensibler reagiert es auf Reize. Gedanken, Körperempfindungen oder alltägliche Herausforderungen werden schneller als potenziell riskant bewertet. Es entsteht ein Kreislauf aus innerer Anspannung, erhöhter Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren, verstärkter körperlicher Reaktion und erneuter Bewertung.
Viele versuchen an dieser Stelle, die Kontrolle zu erhöhen: mehr planen, mehr analysieren, mehr leisten. Kurzfristig kann das Stabilität vermitteln, langfristig verstärkt es jedoch häufig genau jene innere Spannung, die man eigentlich reduzieren möchte. Das System erhält immer wieder die Botschaft: Wachsamkeit ist notwendig.